Warum „gutes Aussehen“ nicht immer von Vorteil ist

Beitrag von: Andrea Struckmeier (eResult)

Prototyping spielt im Usability Engineering eine zentrale Rolle, wenn darum geht, die Nutzerfreundlichkeit von Systemen vor der Implementierung zu testen. In der Literatur gibt es Hinweise darauf, dass vor allem die visuelle Verfeinerung (das Aussehen) eines Prototyps einen Einfluss auf Verlauf und Ergebnisse einer Usability-Evaluation haben kann. Es wird u.a. davon ausgegangen, dass hohe visuelle Verfeinerung eher dazu führt, dass Nutzer

(1) sich in ihren Anmerkungen vermehrt auf visuelle Aspekte des Prototyps beziehen und weniger die funktionalen Aspekte kommentieren,
(2) sich weniger kritisch äußern und
(3) die Usability stärker in Abhängigkeit vom Aussehen des Prototyps bewerten.

Die eResult GmbH hat sich im Rahmen einer Grundlagenstudie deshalb mit der Fragestellung befasst, ob die Variation des Aussehens von Prototypen die Ergebnisse eines Usability-Tests hinsichtlich der o.g. Aspekte beeinflusst.

Die Ergebnisse implizieren, dass Prototypen geringer visueller Verfeinerung mindestens ebenso für die Systemevaluation geeignet sind wie Prototypen hoher visueller Verfeinerung. Sofern nicht explizit das Design eines Systems getestet werden soll, empfiehlt es sich, auch in späteren Designphasen noch mit Prototypen von geringer visueller Verfeinerung zu evaluieren. Denn diese fördern häufig mehr funktionale Probleme zu Tage als visuell stark ausgereifte Prototypen und sind im Hinblick auf die Usability-Bewertung weniger anfällig für den Einfluss des Aussehens eines Prototyps.

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