Usability im Aufwind

Beitrag von: Stefanie C. Zürn & Rebecca Rothfuß

Laut Bundesverband Windenergie gingen in Deutschland im vergangenen Jahr 754 Windräder neu ans Netz. Bei mehr als 3 Mio. Euro Kosten pro Anlage muss bei der Inbetriebnahme jeder Handgriff sitzen, schließlich können kleinste Fehler zur vollständigen Zerstörung und zum Ausfall des Windrades führen. Usability-Experten aus dem Windland Schleswig Holstein haben sich dran gesetzt, die Inbetriebnahme der mehr als 100 Meter hohen Anlagen sicherer und vor allem protokollierbar zu machen. Was dabei heraus kam, stellen sie auf der Praxistagung „Usability Professionals 2011“ vor, die vom 11. bis 14. September in Chemnitz stattfindet.

Wer in Kiel wohnt und arbeitet, der kommt am Thema Windenergie nicht vorbei. Warum auch, fragten sich Stefanie C. Zürn und Rebecca Rothfuß, Usability-Experten und beide Mitglied der German UPA. Die Windenergiebranche ist einem starken internationalen Wachstums- und Wettbewerbsdruck ausgesetzt. Der Markt fordert Innovationen, um noch effizienter und entsprechend rentabler Windenergieanlagen betreiben zu können – und so haben sich die beiden auf die Suche nach Innovationen gemacht. „Vor allem die Schnittstelle zwischen dem Bediener und der Technik bestimmt den Wettbewerb – Internationalität, Sicherheit und schnelle Inbetriebnahme sind Schlüsselworte“, erklärt Zürn. Genau darin sieht die Designerin eine Möglichkeit ihr Know-how ins Spiel zu bringen und entwickelte ein innovatives User Interface Design zur intelligenten Inbetriebnahme und sicheren Überwachung von Windenergieanlagen.

„Uns kam es vor allem auf einen hohen Gebrauchswert und die intuitive Bedienbarkeit an“, so Zürn. Im Mittelpunkt der Anwendung steht die Inbetriebnahme von Windrädern. Während Zustände und Prozesse in der Anfahrphase bislang zum Beispiel durch Zahlencodes oder verbal beschrieben wurden, lässt sich der Status jetzt mittels einer Visualisierung für technische und physikalische Zusammenhänge einfacher erfassen.

Zu jedem Zeitpunkt, selbst aus den komplizierten Prozessstufen heraus, kann der Anwender sich zweifelsfrei orientieren. Zudem sind die relevantesten Daten zum Zustand der Anlage jederzeit verfügbar. Der Anlagenstatus ist als zentraler Screen mit allen relevanten Daten in jedem Zustand der Anwendung und unabhängig der Navigationstiefe mit nur einem Touch verfügbar. Dort werden die physikalischen Gegebenheiten realistisch abgebildet. Die schematische Windenergieanlage z.B. dreht sich in exakt dem Tempo wie die reale Anlage.
Die Anwendung selbst läuft in rauen Umgebungen (-30° bis +40° C) und wird per Einhandbedienung mit Handschuhen auf einem Touchbildschirm bedient. Die entwickelte Anwendung ist bereits weltweit im Einsatz.

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